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Die neue EisZeiten Doppelausstellung im Museum für Völkerkunde und dem Archäologischen Museum (Helms Archiv) ist eröffnet. Mit einer Gruppe von Social Media Aktiven durften wir am Vorabend vorbeischauen und bekamen Führungen im Ausstellungsraum.

 

Dr. Carl Triesch, Ausstellungsmanager im Völkerkundemuseum, zeigt uns die Exponate und am Ende weiss ich, dass ich am liebsten nie wieder eine Ausstellung ohne eine derartige Führung mitmachen möchte.

Klar, die Exponate sind beschriftet und diese Informationen sind schon erstaunlich und interessant. Aber die Geschichten zum Hintergrund eines Gegenstandes oder auch einer Recherche, eines Fundes, dafür ist kein Platz. Zum Glück gibt es dann ja aber auch meistens noch einen Katalog zur Ausstellung.

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Und dann drehe ich mich um und sehe diesen wunderschön gestalteten Saal!
Wie gefällt Dir dieser Anblick?

Wir stehen auf dem Meer, und da hinten ist Pfannkucheneis bzw. schwimmen Eisschollen.#eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung

Nach solchen Vorlagen wurden Kanus für die Alster gebaut. Schon mal eines auf dem Wasser gesehen bei uns, das diesem ähnelt?eiszeiten kanu
Hier denke ich an meine Jahre in der Antarktis und den dortigen Vorträgen über Shackleton, Amundson und Scott, der leider die falschen Tiere mitnahm auf seine Expedition.
In der Antarktis gibt es übrigens Pinguine, in der Arktis im Norden – diese Ausstellung heisst Menschen des Nordlichts – gibt es Eisbären. Und Huskies leben dort auch.
Rentiere leben mittlerweile auch im Süden, auf Südgeorgien wurden sie eingebracht, was schon irgendwie ein verrücktes Bild ist, wenn sie im Hintergrund durchs Bergpanorama spazieren vor einem. #eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung

 

Dies ist ein Kajakmodell mit drei Fahrern. Es stammt von den Unangan in Alaska.
Zu den Aleuten-Inseln, deren Einwohner sie sind, habe ich mich bis heute faszinierende Erinnerungen habe, an Attu, Gambell, Kiska Island. Ich habe damals auf See gearbeitet und wir verbrachten eine Saison „da oben“, zwischen den USA (Aleuten) und Russland (Kamchatka).
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Hier sieht man die moderne Welt im Norden: alte Tradition mit den Hosen aus Eisbärfell, und ein modernes Holzfällerhemd, das dazu getragen wird. Na, wie gefällt Dir diese Mode? #eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung

 

Bemerkenswert ist auch, dass die Informationstafeln in dieser Ausstellung ausser englisch und deutsch auch russisch erklären. Das liegt daran, dass sehr viele Ausstellungsstücke der EisZeiten aus dem Kunstkamera Museum in St. Petersburg stammen. Sie werden hier erstmals ausserhalb von Russland gezeigt und sind auch dort zuvor nur von Wissenschaftlern gesehen worden. Glück haben wir! 🙂
Und ich kann meine russischen Sprachkenntnisse weiter nutzen (d.h. ich kann alles kyrillisch auch gern laut lesen, verstehe aber nicht alles, was ich da wiedergebe)#eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung

 

Hier zeigt sich zum Beispiel die Hintergrundinformation der Führung. Carl Triesch erzählt uns, dass diese ca. 7cm grosse Nadel aus Knochen nicht etwa so gefunden wurde. Nein, dieses filigrane Teil lag in zig Einzelstücken an der Fundstätte, welche dementsprechend schon vorher als solche bekannt war, weshalb sehr sehr vorsichtig Erdkrümel bewegt wurden. Wie lange es wohl gedauert hat, diese kleine Nadel wieder so zusammenzusetzen? Für uns sieht sie aus, als wäre sie nie kaputt gewesen.
Sie stammt aus Sibirien, da war ich ja auch. Aber das ist nicht so lange her, diese Nadel ist 24.000 bis 21.000 davor von Menschenhand hergestellt worden, gefunden bei Mal´ta.
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Das hier sieht aus wie ein Stück Pergament, ist aber wasserundurchlässig. Die Haut einer Walleber. Ich fragte erstaunt, wie man das wohl herausgefunden hat. Ein Teil der Antwort war, dass es den Menschen bewusst war, dass sie ihnen Menschen halfen zu überleben. Wenn man sie tötete, dann wollte man deshalb aus Respekt auch alles verwerten, nicht nur „leckere“ Stücke. Zu bedenken ist auch, dass es in der Gegend bei so viel Eis und Schnee kaum Holz als Baumaterial gibt. Dieses Stück hier diente beim Hausbau als Fensterersatz in einer Dachöffnung, so dass Licht eindringen konnte. #eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung

 

Sind das nicht wunderschöne Kleidungsstücke? Diese wasserdichten Ponchos aus Südalaaska bestehen aus Seehunddarm und aus Fischhaut. Reich verziehrt (wobei ich mir dabei ja Sorgen um die Dichtigkeit gemacht hätte).
Interessant ist die Zweitnutzung der Fischer: Im Dunkeln konnte man sich sehr gut bemerkbar machen, in dem man die Ponchos als Prismen benutzte und Licht aufstellte als Seezeichen.
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Was meinst Du, wozu dieses Teil hier gut war? Irgendeine Idee?
Das hier war auch wieder so ein Exponat, das ich ohne die zugehörige Erzählung von Dr. Triesch mit „Balg“ abgetan und vergessen hätte. Es sieht jetzt nicht hübsch aus, muss es aber auch nicht, denn es ist ein sehr praktisches Teil für die Jagd, aus der Körperhaut einer Robbe, aufblasbar.

Die Tiere, die harpuniert erlegt wurden, wanden sich und gingen auch unter, so dass es schwer war, den Harpunenpfeil und das Tier wiederzufinden. Dieser Balg half dabei, an der Harpune befestigt. Er blieb oben schwimmend, so dass man sein Jagdopfer dadurch gut wiederfinden konnte.
Dieses Foto: © Museum für Völkerkunde Hamburg
seehund balk museum für völkerkunde

 

Man denkt ja immer, ein Eisbär hätte schneeweisses Fell…
Eisbären waren dem Menschen ebenbürtig an Kraft, sie wurden verehrt. Die Tiere waren beseelte Wesen und damit hoch respektiert. Nicht jeder durfte diese Eisbärkleidung tragen, nur besondere Jäger.
Ich habe einmal einen in der Ferne gesehen, der auf meinen Fotoabzügen heute nicht mehr sonderlich gut zu erkennen ist, analog damals, nur mit 3x Zoom.#eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung #eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung #eiszeitenhh @hamburg361 ausstellungDieser Mantel hat auch eine sehr interessante Hintergrundgeschichte: er besteht nicht aus Fell sondern aus Kormoran Vögelbälgern. Vormals trugen diese sehr aufwendig aussehenden Mäntel nur Menschen, die hotes soziales Ansehen genossen. Dann aber gab es eine neue Entwicklung und es wurde die Kleidung der ärmeren Leute, als von den Russen ein Pelzverbot für Alaska erlassen wurde.

 

 

#eiszeitenhh @hamburg361 ausstellungEine Schamenenmaske aus Yupiit, Südwestalaska. Ja, und da kann man sich jetzt ganz viele schöne Geschichten zu ausdenken. Natürlich gibt es schon welche, über die ganze Bedeutung so einer Maske und all ihre interessanten Einzelteile und Darstellungen. Aber leider ist nichts niedergeschrieben oder überliefert worden.

#eiszeitenhh @hamburg361 ausstellungDies ist mein Lieblingsstück, natürlich wegen der Herzen, aber auch der Farbe, den Farbkontrasten hier. Es sind alte Fingermasken, mit denen wie unten auf dem Plakat Theater gespielt wurde.
Auf dem Bild ist Maryann Sundown (1919-2011) zu sehen und wie sie symbolisch die Tradition weitergibt an ein kleines Kind.#eiszeitenhh @hamburg361 ausstellung

 

Ich muss sagen, nachdem ich das hier jetzt geschrieben habe, freue ich mich riesig auf meine kommende Nordreise, die zwar nicht wieder in die Gegend zwischen Amerika und Russland geht, sondern nach Norwegen, aber dort dann eben auch bis zur russischen Grenze.
Und vor allem: ins Eis! Ich war 2009 zuletzt in der Antarktis, seitdem bin ich auf Entzug was Eisberge und Eisschollen angeht. Einen wahnsinnigen Vorteil gibt es dort unten: es ist fast immer taghell, das wird im Dezember in Norwegen genau das Gegenteil sein. 😉

 

EisZeiten Ausstellung 2/2
EisZeiten Ausstellung 1/2
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